apraxostux

Author: Dr. med Claudia Neumann
© 2020 Dr. Claudia Neumann

Update: 8.3.2020

Einleitung

Jahrelang haben die Ärzte ihre Korrespondenz über das Fax abgewickelt. Nach Umstellung der meisten Praxen auf Voice-over-IP ist das Faxen schwieriger geworden. Trotzdem gibt es immer noch viele Möglichkeiten, das Faxen effektiv in der Praxis zu nutzen, auch wenn Herr Gesundheitsminister Spahn und die KVen die Ärzte vom Gegenteil überzeugen wollen.

Faxen versus eArztbrief

Bisher (1/2020) konnte für ein Fax die Gebührenordnungsnummer 40120 (Versandpauschale) mit 0,55 € abgerechnet werden. Diese Versandpauschale gilt auch für den Versand von Arztbriefen per Post, was 0,80 € kostet, sodass der Arzt beim Versand per Post ein Minus macht. Dass die Versandpauschale seit Jahren nicht angehoben wurde, kann nur damit erklärt werden, dass die KVen und die Kassen davon ausgehen, dass die meisten Arztbriefe per Fax versandt werden.

Ab 1.4.2020 soll die Versandpauschale per Fax auf 0,27 € reduziert werden. Das wird die Ärzte allerdings nicht vom Faxen abhalten, da die Alternative, der eArztbrief über KV-Connect, wesentlich aufwendiger und teurer wird.

Die Alternative: der eArztbrief

Für den eArztbrief braucht der Arzt einen KV-Connect-Client, der in apraxos 11,73 € inklusive MWSt. pro Monat kostet. Damit können natürlich auch die Abrechnungen an die KVen und die eDokumente hochgeladen werden. Dazu muss der versendende Arzt einen Heilberufsausweis (HBA) für 7,90 € inklusive MWSt. pro Monat, eine Signatursoftware, z.B. Secsigner 5,90 € pro Monat und ein Kartenlesegerät, das mit der Signatursoftware zusammenarbeitet, haben, um den eArztbrief zu signieren. Das macht 25,53 € pro Monat.

Für den eArztbrief kann der Facharzt die Gebührenordnungsnummer 86900 entsprechend 0,28 € abrechnen. D.h. der Facharzt müsste 91 Briefe pro Monat als eArztbrief versenden, um die Kosten wieder reinzubekommen. Da die meisten Ärzte noch keinen eArztbrief empfangen können oder wollen, zahlt der Facharzt zur Zeit auf jeden Fall drauf. Es könnte sich eher rechnen, wenn der HBA sowieso für die Speicherung des eMedikationsplans auf der eGK, für die ePatientenakte, die eAU und das eRezept benutzen muss und eine Signatur über den Konnektor möglich ist.

Das Faxen ist in der Arztpraxis meist schon eingerichtet oder kann mit Bordmitteln eingerichtet werden und ist damit kostenlos.

Faxen unter Linux

Auch mit Voice-over-IP kann gefaxt werden. Voraussetzung ist, dass der DSL-Anbieter das Faxen unterstützt (ist bei der Telekom bzw. bei deren Töchtern in der Regel der Fall) und dass ein Router benutzt wird, der faxen kann. Alle AVM-FritzBoxen können das.

Besprechen möchte ich hier die Fax-Funktion der FritzBox für den Faxempfang. Der Fax-Versand über die FritzBox ist zwar auch möglich, erlaubt aber nur maximal 2 Seiten pro Fax. Daher ist der Fax-Versand über ein altes, analoges DSL-Modem und efax-gtk leichter zu handhaben. Möglich ist auch der direkte Anschluß eines Multifunktionsdruckers mit Faxfunktion an einen analogen Anschluß der FritzBox. Alle Möglichkeiten werde ich ausführlich diskutieren.

Faxempfang über die FritzBox

In der FritzBox legt man unter Telefonie / Telefoniegeräte ein neues Gerät an. Bei der Auswahl des "neuen" Gerätes wählt man die in der FritzBox integrierte "Faxfunktion" aus. Anschließend legt man die Telefonnummer fest, die auf die Faxfunktion umgeleitet werden soll. Diese Telefonnummer darf nicht an die Telefonanlage weitergeleitet werden oder einem weiteren Gerät zugeordnet werden. da die Faxfunktion offensichtlich die Telefonnummer verliert, wenn ein anderes Gerät, z.B. ein Multifunktionsdrucker mit dieser Faxnummer nach außen telefoniert. Dann muss die Faxfunktion unter Umständen wieder neu eingerichtet werden. Im nächsten Schritt muss der Speicherort der Faxe angegeben werden. Die Faxe können als Email weitergeleitet werden, intern (Fritz!NAS) oder extern (z.B. USB-Stick an der FritzBox angestöpselt) gespeichert werden. Normalerweise reicht die interne Speicherung auf dem Fritz!NAS, es sei denn, es kommen sehr viele Faxe an und Sie machen 3 Wochen Urlaub.

Die Faxe werden dann als PDF-Dokumente auf der Fritz!NAS im Verzeichnis FRITZ / faxbox gespeichert. Man könnte die Faxe über die FritzBox-Administrations-Webseite über Fritz!NAS → FRITZ → faxbox ansehen und über den Webbrowser downloaden. Einfacher ist es, das Faxe-Verzeichnis über den krusader einzusehen und die Faxe nach Bedarf in ein Verzeichnis z.B. /home/praxis/fax herunterzuladen. Dafür sollte ein weiterer Benutzer (ftp-user) auf der FritzBox eingerichtet werden. Leider reicht es nicht aus, diesem Benutzer nur die FTP-User-Rechte zuzuordnen. Es müssen diesem Benutzer volle Admin-Rechte erteilt werden, ansonsten kann dieser User nicht auf das Fritz!NAS-Verzeichnis zugreifen.

Man konfiguriert im krusader z.B. im linken Fenster ftp://192.168.178.1/FRITZ/faxbox bzw. die IP-Adresse der FritzBox. Es wird nach Benutzer und Passwort gefragt. Dann kann man auf das Faxe-Verzeichnis auf dem Fritz!NAS zugreifen. Im rechten Fenster konfiguriert man das (leere) Verzeichnis /home/praxis/fax. Durch Klick auf ein Fax kann es mit okular angesehen werden und durch Drag-und-Drop nach rechts in das Verzeichnis /home/praxis/fax kopiert werden.

Zuordnung eines Faxes in apraxos

Will man einzelne Faxe einem Patienten zuordnen, bietet sich der Weg über ein Skript als Extern-Programm an. Mit folgendem Script kann ein Fax aus dem Verzeichnis /home/praxis/fax einem Patienten zugeordent werden:

#!/bin/bash
mv /home/praxis/fax/*.pdf /home/praxis/a/ablage/

Diese Datei fax.sh kommt z.B. ins apraxos-Hauptverzeichnis, wenn die Faxe direkt auf den Server heruntergeladen werden. Sollen die Faxe über einen Client heruntergeladen werden, muss die PDF-Datei mit scp in das Unterverzeichnis ablage des Client-Verzeichnisses kopiert werden.

In apraxos konfiguriert man die Faxübernahme unter System / Einstellungen / Extern als neue Zeile in der Extern-Verwaltung:

Nr    Programm     Endung    Pfad
3     Faxeingang   pdf       ./fax.sh

Um ein Fax dem Patienten zuzuordnen, ruft man den Patienten auf → Kartei → XExtern. Der Cursor steht nun auf der untersten Zeile im ersten Tabellenfeld. Mit Return werden die Aufrufprogramme angezeigt. Man klickt/geht auf "Faxeingang". Die Frage "Datei <Name der PDF-Datei> in EXTERN-System übernehmen" beantwortet man mit "j". → Die Datei wird dem Patienten zugeordnet. Anschließend sollte man in der Spalte "EINTRAEGE" eine sinnvolle Angabe über den Inhalt der PDF-Datei eingeben.

Zuordnung mehrerer Faxe in apraxos

Man kann auch über einen selbstprogrammierten Daemon kontinuierlich nach eingehenden Faxen auf der FritzBox nachsehen lassen und diese Faxe in das Verzeichnis /home/praxis/a/mail-in kopieren lassen.

In apraxos werden diese Faxe über Übertragung / ADatei→Extern weiterverarbeitet. Über Registrieren werden zunächst alle Dateien im Verzeichnis /home/praxis/a/mail-in eingelesen. Über Zuordnen werden die Dateien angezeigt und können mit <F7> angesehen werden. Mit <F5> kann die Datei entweder dem gerade ausgewählten Patienten oder über die Patientensuche einem anderen Patienten zugeordnet werden. Nach der Zuordnung sollte im EINTRAEGE-Feld eine sinnvolle Angabe zum Inhalt der Datei eingegeben werden. Mit <F6> wird die direkte Übertragung ausgeführt. Siehe auch <F1>. Die Übertragung kann auch für alle zugeordneten Dokumente mit Übertragung / ADatei→Extern / Übertragen ausgeführt werden. Mit Übertragung / ADatei→Extern / Löschen werden fertig verarbeitete Faxe/Dateien aus dem Verzeichnis /home/praxis/a/mail-in gelöscht. Die bearbeiteten Faxe können mit Übertragung / ADatei→Extern / Archiv gespeichert werden. Es werden dabei nicht die Faxe selbst archiviert, sondern nur die Verarbeitungsdaten.

Faxversand unter Linux

Die Faxfunktion der AVM-FritzBoxen bietet auch einen Versand von Faxen. Dabei dürfen die Faxe allerdings maximal 2 Seiten lang sein. Man kann diese Funktion mit dem Roger Router ansprechen. Leider ist der Roger Router nur noch über Flatpak installierbar. Flatpak kann erst ab Debian Buster installiert werden. Daher werde ich das hier nicht besprechen.

efax-gtk

Einfacher ist es, ein altes analoges Modem über den analogen Zugang zur FritzBox anzuschliessen und in der FritzBox als analoges Faxgerät einzurichten. Das Modem bekommt eine eigene Telefonnummer zugeordnet, die nicht der Faxfunktion entsprechen darf.

In der Praxis sollte ein Rechner ausgesucht werden, mit dem die Faxe versandt werden. An diesem Computer wird das DSL-Modem angeschlossen und efax-gtk installiert. Efax-gtk wird als Service eingerichtet, der Faxe auf Socket 9900 zum Fax-Versand entgegennimmt.

In CUPS wird ein Drucker eingerichtet, der die empfangenen Dateien an die Socket 9900 weiterreicht. Am einfachsten gibt man auf der Konsole folgenden Befehl ein:

lpadmin -p eFaxModem -E -v socket://localhost:9900

Sollte efax-gtk nicht laufen, hält CUPS die Druckaufträge in der Druckerwarteschlange zurück, bis efax-gtk wieder läuft.

Das Modem muss ansprechbar sein und es müssen Faxnummer und Modembefehle angegeben werden, wobei es in der Regel reicht, die vorgeschlagenen Modembefehle zu übernehmen. Es muss allerdings das richtige Device angegeben werden.

Ist der Drucker in CUPS eingerichtet, ist er freigegeben worden und läuft efax-gtk, so kann jede PostScript- oder PDF-Datei über CUPS an efax-gtk "ausgedruckt" werden. Es öffnet sich dann ein Fenster auf dem Rechner, auf dem efax-gtk eingerichtet ist, in dem die Fax-Nummer eingegeben werden kann. Im efax-gtk-Fenster kann man dann verfolgen, ob der Verbingungsverlauf erfolgreich war.

In efax-gtk kann man neben der direkten Eingabe der Faxnummer auch ein Adressbuch mit hinterlegten Faxnummern aufrufen. Die Faxnummern werden im User-Hauptverzeichnis in /home/praxis/.efax-gtk_addressbook hinterlegt. In apraxos kann man die Namen und Faxnummern der Adressen in Daten / Adressen / Allgemein …​ mit F11 exportieren. Danach kopiert man die Datei efax.txt auf den Rechner, auf dem efax-gtk installiert ist, in die Datei /home/praxis/.efax-gtk_addressbook. Wenn man nun ein Fax versendet und das kleine Fenster zum Versenden des Faxes aufgeht, kann man mit Klick auf den Button Telefonnummern das Adressbuch aufrufen und dort die Fax-Nummer anhand des Adressaten auswählen.

Multifunktionsdrucker mit Faxfunktion

Einige Multifunktionsdrucker mit Faxfunktion liefern eine PC-Fax-Funktion auch für Linux. Das gilt insbesondere für HP- oder Brother-Multifuntionsdrucker. Es kann Probleme geben, diese Fax-Funktionen zu installieren, weil sie einerseits nur in der 32-Bit-Version verfügbar sind oder nur mit älteren Linux-Versionen funktionieren. Das merkt man meist erst beim Versuch, die Fax-Funktion zu installieren.

Der Multifunktionsdrucker muss dann, wie üblich, an einen analogen Port des Routers angeschlossen werden. Die Fax-Funktion wird meist als virtueller Drucker in CUPS eingerichtet. Man druckt auf diesen virtuellen Drucker und es öffnet sich ein Fenster für die Fax-Nummer. Die Möglichkeit, ein Adressbuch für die Fax-Nummern einzurichten, besteht meist auch.